Lissabon und meine teuerste Straßenbahnfahrt…

Es sollte ein Trip der besonderen Art werden. Nun, das war er auch, wenn auch anders als geplant.

Wir haben uns wahnsinnig auf unseren Kurztrip nach Lissabon gefreut und waren gut vorbereitet. Dank Daniel von Lissabon Insider hatten wir auch bereits im Vorfeld einige Anlaufstationen und zwei Restaurantbuchungen. Vielen lieben Dank nochmals an Daniel für die super Tipps und den netten Kontakt.

Praça do Comércio
Praça do Comércio

Guter Dinge machten wir uns also auf den Weg nach Lissabon. Nach 3 1/2 Stunden Flugzeit sollten wir dann landen, wir waren quasi auch schon fast auf der Landebahn als der Pilot es sich anders überlegte und nochmal durchstartete und eine Ehrenrunde über Lissabon flog, so hatten wir also bereits die erste Sightseeingtour im Flug inklusive. Beim zweiten Landeversuch blieben wir dann auch am Boden und machten uns auf den Weg zum Hotel. Dieses lag am Marquês de Pombal recht zentrumsnah. Gleich darauf  fuhren wir mit der Metro in die Stadt. Ein kleines Hungergefühl überkam uns. Auf dem Praça do Comércio quasi dem Tor zu Lissabon angekommen regnete es leicht, doch von jetzt auf gleich kam ein kräftiger Wind auf und der Regen peitschte uns von allen Seiten entgegen. Wir hatten keine Chance. Nun standen wir wie zwei begossene Pudel mitten in Lissabon, leichte Melancholie breitete sich schon über uns aus und das, obwohl nicht einmal Fadomusik dazu spielte. Rechts und links vom Praça do Comércio waren Arkarden in denen es einige Restaurants gab. Wir gingen etwas unsicher in eines und der Kellner kam auf uns zu und fragte, ob wir nur etwas bistromäßig essen möchten oder eher fein. Ohne Worte zeigten wir nur auf unsere triefend nassen Sachen, er lachte und führte uns zu einem Tisch mit samtbezogenen Stühlen. Erst jetzt bemerkten wir, dass wir gleich mal in einem Museum gelandet waren.BiermuseumNun ja die Art von Museum fanden wir okay. Wir probierten so ziemlich alle Vorspeisen der Karte, was uns mit der etwas stürmischen Begrüßung von Lissabon versöhnte.VorspeisenDer Regen draußen hatte aufgehört und wir waren ganz gut angetrocknet und zogen noch etwas durch die Stadt.Brücke

Haus am AbendAm nächsten Tag beschlossen wir als erstes dem Castelo de São Jorge, eine Festung oberhalb von Lissabon und dem Panteão Nacional, eine Kirche die keine ist,  einen Besuch abzustatten. Dies ließ sich ganz gut verbinden, das Panteão liegt etwas unterhalb vom Castelo. Vom Castelo hat man einen guten Blick über die Stadt, was wir für einen guten Anfang hielten. Wir wollten unsere Füße jedoch noch etwas schonen und fuhren mit der berühmten Straßenbahnlinie 28. Linie28Hier nun machten wir auch gleich die Erfahrung, wie es sich anfühlt als Touri beklaut zu werden. Meine Geldbörse wurde gestohlen. Ich bemerkte dies recht schnell und geriet in Panik. Wir schauten uns um und stiegen aus, als uns jemand antippte und auf die Geldbörse zeigte, die nun am Boden lag…natürlich war sie leer aber Kreditkarte und Ausweis waren da. Ich war schockiert und alle Leichtigkeit und Fröhlichkeit fuhren mit der Linie 28 und ohne uns fort. Immer wieder das Szenario im Kopf durchgespielt ohne die Uhr zurückdrehen zu können… war uns nun klar, dass der Dieb selbst uns auf die Geldbörse aufmerksam machte, ob er nun noch etwas Gutes tun wollte oder dies zum Schachzug gehörte…wir werden es nicht erfahren. Wir wollten uns natürlich nicht alles dadurch vermiesen lassen und setzten unseren geplanten Weg hoch zum Castelo fort. Die Sonne streichelte uns und es schien als würde Lissabon mit seinen tollen Ausblick uns um Verzeihung bitten wollen. Blick vom CasteloAuch die Portugiesen, die uns sonst begegnet sind waren alle unglaublich nett, freundlich und liebevoll, so dass wir diesen Vorfall nicht mit einer Abneigung gegen die Stadt und die Menschen verbanden.

Die Architektur und Akustik im Panteão kann ich nicht besser beschreiben als Daniel es in seinem Bericht tut (klick). Panteo Nacional Im Panteão erklingt die Stimme von Lissabons bekanntester Fado-Sängerin, die hier auch bestattet liegt. Die Musik passt gut in das kolossale Gebäude und verströmt eine melancholische Stimmung.

Jetzt stand mir der Sinn allerdings nach Seelentröster in Form von Schokolade oder Wein oder beidem. Also setzten wir unseren Weg in Richtung Mercardo da Ribeira fort. Mercardo da RibeiraHier sollte all das sich finden lassen. In einer riesigen Halle hatten sich mehrere namhafte Restaurants der Stadt Stände angemietet und man konnte sich durchschlemmen. Spätestens nach dieser Schoko-Baiser-Beeren-Torte war meine Stimmung wieder auf heiter.Seelentröster

Da der Abend noch lang werden sollte legten wir eine kurze Verschnaufpause im Hotel ein. Am Abend machten wir uns auf nach Alfama ins DUETOS DA SÉ. Die Straßen hier machten nicht gerade einen vertrauensvollen Eindruck aber innerlich dachte ich immer, zweimal am Tag beklaut zu werden, das würde nicht mit rechten Dingen zugehen, außerdem hatte ich ja quasi nichts mehr, was man mir wegnehmen konnte. Nun traten wir ein in ein kleines Bar-Restaurant und in eine vom ersten Augenblick an herzliche Gastlichkeit. Carlos (gesprochen: Carlosch 😉 der Inhaber und sein gesamtes Team haben uns hier wirklich abtauchen lassen und uns einen wunderschönen Abend beschert. Das Essen ein Traum, wir hatten den „fish of the day“, eine Art Schwertfisch den uns Carlos zuvor noch unzubereitet vor Augen führte und deren Frische und Qualität unübersehbar war.  Nun kam unaufhaltsam auch ein weiteres Ereignis auf mich zu, mein Alter sollte hier einen weiteren Sprung machen, alles davonlaufen hatte nichts genutzt. In Lissabon trat dies zwar eine Stunde später als in Deutschland ein aber verhindern ließ es sich nicht. Die Livemusik hatte eigentlich schon aufgehört zu spielen, als sich der Klavierspieler noch einmal an den Flügel setzte und Cristina Loureiro süßlich ein Geburtstagslied anstimmte, Carlos mit einer Flasche prickelnden Getränks und aus der Küche ein Törtchen mit Lebenslicht kam… besser kann der Übergang von einem Lebensjahr zum nächsten kaum laufen. Vielen, vielen lieben Dank an das Team von Carlos und nochmal ein riesengroßes Dankeschön Uwe my . Und so gingen wir in die Nacht durch Alfama beschenkt mit einem wunderschönen Abend.Birthday by Carlos

Am nächsten Tag führte uns der Sinn nach Baixa Chiado weiter in Richtung Bairro Alto und wieder zurück.Fassaden Die Straßen in Lissabon sind zum Teil sehr eng und auch steil. Hier hat man an verschiedenen Stellen regelrechte Fahrstühle (Elevadors) gebaut, mit denen man von einem Stadteil zum nächsten kommt. Wir haben zu eben diesen Zweck ein Kaufhaus gewählt und haben uns das Ticket für den Elevador gespart, wenn man dabei außer Acht lässt, dass es eben in diesem Kaufhaus ein kleines Juweliergeschäft gab 😉 Hier arbeitete die überaus charmante wie auch witzige Anna als Verkäuferin und bewies eine unglaubliche Geduld mit mir und machte mich letztlich um ein Geschmeide reicher und Uwe um einige Euros ärmer  🙂Bairro alto

Mit der Straßenbahn wollten wir nun nach Belem zum Kloster und Seefahrerdenkmal fahren. An der Haltestelle warteten wir geduldig auf die Bahn. Die Anzeigetafel machte lustige Sprünge von 23 Minuten binnen einer Minute auf 9 Minuten und wieder zurück auf 15 Minuten, beharrte am Schluss bei 3 Minuten gefühlte 20 Minuten. Doch letztlich kam die Bahn und fuhr mit uns nach Belem. Ein imposantes Seefahrerdenkmal stand hier am Wasser und läßt die berühmte Brücke im Hintergrund und Christus winzig klein dastehen.Seefahrerdenkmal

Der krönende Abschluss an diesem Tag und unserer Reise sollte ein 10-Gänge-Menü im Restaurant 100 Maneiras sein. Uwe kränkelte bereits am Nachmittag aber schluckte tapfer Aspirin und wollte mir den Abend nicht verderben. Im 100 Maneiras angekommen, ein sehr kleines Restaurant und mindestens so viel Personal wie Gäste, fing man zugleich an uns zu verwöhnen. Als erstes kam Bacalhau auf der Wäscheleine…witzig und einfallsreich, Bacalhau ist getrockneter Fisch und typisch portugiesich. Es folgten Austern und Seeigel, feinstes Roastbeef, Sardinen mit fritiertem Koriander und und und. 100 ManeirasLeider ging es Uwe immer schlechter und wir ließen uns ein Taxi zurück zum Hotel rufen. Auch hier waren die Portugiesen überaus freundlich, hilfsbereit und besorgt um uns. Es tat uns beiden leid, dass wir nicht das volle Programm auskosten konnten aber es brachte keinem etwas den Abend an dieser Stelle fortzusetzen.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder nach Hause. Irgendwie schauten wir uns an und wussten beide nicht so genau was wir empfinden sollten von dieser Reise. Am Abend daheim waren wir uns aber einig, dass jeder etwas mitgenommen hatte auf dieser Reise und trotz aller Widrigkeiten wir eine Menge Spaß hatten und Lissabon eine tolle Stadt mit tollen Menschen ist.

Fisch aus Schrott
Nemo aus Autoschrott, entdeckt in einer Kunstausstellung im Kaufhaus in Lissabon…da hätten wir auch noch ein paar Bremsscheiben…

 

 

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4 Gedanken zu „Lissabon und meine teuerste Straßenbahnfahrt…“

  1. Hi Doreen & Uwe,

    auch an dieser Stelle noch mal vielen Dank für den tollen Reisebericht. Wird auf jeden fall geteilt! ;o) Beim nächten Besuch steht das gemeinsame Köpfen einer (oder zwei, drei, vier?) feinen Flasche Rotwein auf dem Programm.
    Liebe Grüße aus Alfama
    Die HagenZ

    1. Wir haben zu danken für die tollen Tipps. Na und das sind ja dann gleich zwei drei vier gute Gründe bald wieder zu kommen 😉 Das behalten wir im Auge. Liebe Grüße aus Berlin Doreen & Uwe

  2. Liebe Doreen!

    Danke für den interessesanten Reisebericht! Ich kann es nachfuehlen wie es Euch ergangen ist. Erst das schlechte Wetter und dann der Verlust von ersparten Geld ist schoen heftig. Zum Glück hast Du Deine Ausweiße und EC Karte nicht auch noch verloren. Uwe habe ich es schon mitgeteilt das ich auf manche Fischart auch so reagiere.
    Es ist gut das Ihr es so positiv ansieht!

    liebe Grüße

    L. Vollmer

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